Geschichten von anderen Usern
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Hier könnt ihr die Geschichte der jetzt 20 Jährigen Cynthia aus Frankfurt lesen.

Vielen Dank an Cynthia für die Hilfe anderen Mut zu geben.

Dezember 1986, ich, Cynthia, war grade mal neun Monate alt und meine Mutter sollte mit mir zur Vorsorgeuntersuchung. Soweit war ich ein quick lebendiges ( und dazu von Anfang an ein sehr kräftiges) Mädchen, dazu das einzigste in der Familie. Geschwister habe ich keine, aber meine beiden Cousins haben sich immer um mich gekümmert, waren so was wie ein Bruder - Ersatz für mich.
Wie gesagt, ich war neun Monate jung und meine Mutter war mit mir bei einer Vorsorgeuntersuchung, bei der sich herausstellte, dass meine Herzstromgeräusche nicht klar und normal waren, wie es der Fall hätte sein sollen. Natürlich war das ein Schock für meine Eltern, vor allem da meine Mutter vor mir schon ein Kind verloren hatte und sich gesagt hat, dass sie es nur bis zu ihrem dreißigsten Lebensjahr versuchen würde, ein Kind zu bekommen. Es kam ihr dreißigster Geburtstag und ein halbes Jahr später war sie mit mir schwanger.
Nun stellte sich heraus, dass ihr einzigstes Kind, und dazu noch " ihr letzter Versuch: -) " einen schweren Herzfehler hatte - einen Vorhof-Septum-Defekt. Das Loch war damals schon zu groß, als dass ich damit hätte lange leben können. Viele Menschen leben mit einem kleinen Loch im Herzen, ohne es zu wissen, das ist normal, ein Relikt aus der Zeit im Bauch der Mama. Doch bei mir war das Loch zu groß, als dass es hätte ignoriert werden können...
Der Hausarzt meiner Eltern war gegen die Op. Meine Kinderärztin hat gesagt, dass es zumindest eine Chance ist. OP sei zwar gefährlich, aber zu verlieren hätten wir ja eh nichts.
Der Entschluss war gefasst, der OP Termin stand fest, aber Klein-Cynthia hatte nichts anderes zu tun, als die Röteln zu bekommen...
Termin verschoben, neuer Termin gemacht und auf in den Kampf. Meine Eltern fuhren mit mir zum Krankenhaus, parkten das Auto. Ich merkte, dass etwas nicht stimmte. Woher ich es wusste? Keine Ahnung, aber Kinder spüren viel, ohne dass es ihnen gesagt werden muss.
Wir saßen also im Auto und mir wurde erzählt" die Mama muss zum Arzt, komm doch mit, damit die Mama nicht so alleine ist...!" Ich wusste, da ist was faul. Wenn Mama zum Arzt muss, machen wir keinen Familien Ausflug dahin und schon gar nicht zusammen mit Papa. Nein, ich war sehr klein, aber nicht dumm. Mama ging immer alleine zum Arzt, während ich bei Oma blieb. Das war immer so, fast schon ein nicht zu widerlegendes Naturgesetz: Wenn Mama beim Arzt, dann Klein-cynthia bei Oma!
Meine Mutter ging schon mal in die Klinik und meldete mich an, während mein Daddy immer noch versuchte, mich aus dem Auto zu reden. Er redete und redete und redete... schließlich setzte er das letzte Mittel ein. Er machte der kleinen Cynthia ein schlechtes Gewissen. Ich sollte bei der Mama sein, damit die beim Arzt nicht weint, nicht alleine ist und sowieso ging es ihr ja sicher mit mir besser. Ich schickte ihn an meiner Stelle, aber er weigerte sich. Nun wollte ich ja auch nicht, dass die Mutter weint, also ließ ich mich breit schlagen. Ich ging mit und lag schneller in einem Hemdchen in so nem Bett, als ich gucken konnte.

Viele schlimme, aber auch viele schöne Erinnerungen habe ich bis heute an den gesamten Krankenhaus-Aufenthalt. Heut kommt es mir vor, als hätte ich mehr Erinnerungen an das, was damals alles passierte, als an das, was ich letzte Woche im Studienheft gelesen habe; -)

In der Uni Klinik Düsseldorf bin ich dann schlussendlich im Alter von drei Jahren operiert worden. Für meine Eltern war es das Schlimmste, als sie mir am OP Tschüss sagen mussten. So furchtbar es auch war, nach neun Stunden OP am offenen Herzen, waren die Ärzte fertig mit mir und nach weiteren fünf Stunden im süßesten Rest- Narkose- Schlaf wurde ich auch schon wach. Ganz furchtbar für mich war, dass meine Eltern nicht da waren als ich aufwachte. Noch schlimmer war, dass die Intensiv-Schwester mir erzählt hat, meine Mutter sei am Telefon, ich sollte keine Angst haben und als sie mir den Hörer gab, war niemand dran. Belogen hatte sie mich, eiskalt belogen, ohne sich darüber im klaren zu sein, wie sich ein kleines Mädchen fühlt, wenn es glaubt, die Mama wolle nicht mit ihr sprechen. Später erzählte mir meine Mutter, dass sie die ganze Zeit vor der Scheibe stand, ich sie aber nicht sehen konnte wegen des Spiegel Glases...

Das war die OP an sich.

Viele Dinge sind mir wie gesagt noch heute in Erinnerung. Wie man mich fest gebunden hat, als man mir den Herz-Katheter gelegt haben. Allerdings hat man mich nicht klein gekriegt, da mussten die schon mit mehr kommen als mit so ein paar Fesselgurten. Ich hab halt solange randaliert, bis man mich losgebunden hat! Keine Frage, ich wusste schon immer, was ich wollte!!!

Im Alter von zwölf war ich das letzte Mal bei einer Nachuntersuchung und Gott sei Dank, es ist alles in Ordnung. Heute habe ich eine 23,5 cm lange Narbe auf dem Brustkorb. Und den Draht, mit dem man mir mein Brustbein wieder "zu genäht" hat, den spür ich heute noch, wenn ich mit dem Finger über die Narbe gehe.
Als ich klein war, wollte ich immer, dass man mir die Narbe irgendwann weg lasert. Allerdings wusste ich damals noch nicht, dass mich im Laufe meines bisherigen Lebens noch so viele Schicksals Schläge mitten ins Gesicht treffen sollten und ich das ein oder andere Mal kurz davor war, aufzugeben. Doch immer als ich an so einem Punkt ankam, was gut drei bis vier Mal der Fall war, hab ich die Narbe auf meinem Oberkörper gesehen und wusste, dass ich schon wirklich schlimme Dinge überstanden habe und es sich immer lohnt zu kämpfen.
Heute bin ich zwanzig und weiß, dass es richtig war, dass meine Eltern den Entschluss gefasst haben, mich operieren zu lassen.

Es gibt viel zu viele Dinge, die ich heut nicht mehr missen möchte. Ich habe gekämpft, ich wusste damals, als ich dann im Krankenhaus war, was passieren würde. Meine Eltern haben mir von der OP erzählt und mir damals schon erzählt, dass mit meinem Herzen etwas nicht stimmt.
Es ist natürlich jedem selbst überlassen, wie er mit einer solchen Frage umgeht: Soll ich eine schwierige OP machen lassen bei einem so kleinen Kind oder lieber nicht?! Ich kann nur jedem sagen, dass man den Mut nicht verlieren soll. Ich selbst bin der lebende Beweis dafür, dass es gut gehen kann. Vor allem bei der heutigen medizinischen Versorgung. Ich kenne die Unterschiede zwischen früher und heute, weil mein Beruf mir nichts anderes übrig lässt und ich kann jedem versichern, dass man heut zu Tage eine wahnsinnige Kontrolle über solche schwierigen Operationen hat, dass die Risiken nahezu schwinden gering sind.

Wenn man schon als Eltern in einer solch schwierigen Situation steckt, kann ich nur sagen, dass man sich selber in die Situation des kranken Kindes versetzen sollte. Schnell wird man feststellen, dass man nichts weiter will, als wenigstens die Chance zu bekommen. Jeder will leben, niemand fühlt sich gut bei dem Gedanken, dass man an einer Sache sterben könnte, sterben wird. Aber wenn man nur einen kleinen Lichtblick bekommt, kann man sich nicht vorstellen, wie sehr ein Mensch kämpfen kann. Selbst ein so kleiner Mensch wie zum Beispiel die kleine Anna oder auch vielleicht wie ihr Kind!
Überlebenswille kennt kein Alter! Und wenigstens die Chance zu bekommen, zu leben, ist eigentlich das schönste Geschenk, dass man einem machen könnte.
Ich persönlich würde alles tun, um meinem Kind wenigstens die Chance geben zu können. Nichts unversucht lassen. Mein Arzt damals hat mir gesagt, ich soll nicht traurig sein, nach jedem Regen kommt auch wieder Sonnenschein! :-)

Er sollte Recht behalten!

Ich hoffe, dass ich ein bisschen Mut machen konnte. Keiner hat gesagt, dass es leicht wird, aber denkt positiv! Je stärker ihr seid, desto stärker wird euer Kind sein!

Alles Liebe und Gute wünscht euch von Herzen, eure Cyn

Aktuell
 
Am Montag den 19.11.2007, also 2 Jahre nach Anna-Lenas Operation waren wir mal wieder beim Kardiologen zur Kontrolle.
Anna-Lenas Herzchen ist bis auf eine kleine Undichtigkeit an den Herzklappen, welche aber nicht relevant ist, komplett gesund.
Hurra, nun hat das bangen endlich ein Ende.
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